Badische Zeitung 23.08.2011 Hier fungieren die Zuschauer als Regisseur "SpritzTourTheater" spielt nach Vorgabe Szenen aus dem Stegreif / Amüsanter Geschlechterkampf bei Premiere des Improvisationstheaters im Museumskeller. 
Sie gewannen die Gunst des Publikums die zwei Damen und Herren des Spritz-Tour-Theaters bei ihrer Improvisationspremiere mit dem Kampf der Geschlechter im Schopfheimer Museumskeller. Foto: Roswitha Frey SCHOPFHEIM. Rote und weiße Karten liegen auf den Zuschauerplätzen. Damit stimmt das Publikum ab, wer das Spiel gewonnen hat. Fast wie im Fußball. Zwei "Teams" treten gegeneinander an, nur dass es keine Sportler sind, sondern Schauspieler, die im Schopfheimer Museumskeller einen amüsanten "Geschlechterkampf" ausfechten. Mit diesem vergnüglichen Wettstreit Frauen gegen Männer stellte sich erstmals das "SpritzTourTheater" vor, das künftig ein Mal im Monat Improvisationstheater im Museumskeller machen will. Zwei Frauen, zwei Männer: So sieht die Konstellation in diesem Theaterensemble aus dem Dreiländereck aus. Sadia Mahroug aus Frankreich, Charlotte Schelm aus der Schweiz, der gebürtige Schopfheimer Klaus Millmeier, bestens bekannt durch seine schauspielerischen Stadtführungen, und Rainer Mannich, hochgewachsener norddeutscher Mime und Wahl-Südbadener, "kämpfen" spielerisch um die Gunst des Publikums. Ganz unparteiisch und mit Sinn für stimmungsvolle Klangeffekte begleitet der Musiker Christoph Müller die witzige Impro-Show. Zum Aufwärmen werden erstmal Fanblöcke gebildet: Die Damen feuern mit "Frauenpower, Frauenpower" die beiden Schauspielerinnen an, die Herren kontern mit dem lautstarken Sprechchor: "Männer vor, noch ein Tor!" Und los geht das Spiel, ohne vorgefertigten Text, ohne "Drehbuch", dafür mit Überraschungen, unvorhersehbaren Szenen und unerwarteten Wendungen. Die Zuschauer fungieren als Regisseur, geben Stichworte, Titel, "Gefühle" oder Genres vor, nach denen die Akteure dann Szenen aus dem Stegreif, Geschichten und Mini-Sketche improvisieren. "Das Tolle daran ist, wir können unseren Text nicht vergessen, wir haben gar keinen", schmunzelte Rainer Mannich, "wir wissen selbst nicht, was auf der Bühne passiert". Was dann zweieinhalb Stunden lang passierte, war humorvolles Improvisations-Theater mit vielfältigen Theaterformen, in denen die Schauspieler mit toller Reaktionsschnelligkeit, Verwandlungsfähigkeit, Spontaneität, Spielwitz, kreativer Erfindungsgabe und irrwitzig komischer Mimik und Gestik brillieren – und einem Minimum an Requisiten. Die Zuschauer amüsieren sich prächtig und lachen manchmal Tränen bei diesen "Wertungs-Spielen", bei denen am Ende die Karten gezückt werden. Bei der Spielform "Marathon" setzen sich die Darsteller in schneller Szenenfolge immer neu in Positur, geben mal ein altes Paar, mal einen Patienten beim Doktor, mal eine Frau in den Wehen. Sehr lustig und komödiantisch gerät die Gärtner-Szene um die löchrige Gießkanne. Da werden Frauen- und Männerklischees kräftig parodiert. Auch aus dem simplen "Plot" vom Rasenmähen macht das Darstellerpaar Schelm und Mannich ein richtiges Liebes-Melodram, eine wahre Gefühls-Achterbahn. Auch wie Mahroug und Millmeier eine "synchronisierte" Verführungsszene hinlegen, ist sehr witzig. Gar als mörderisches Eifersuchts-Ehedrama endet das Improvisationsspiel "Zwei Räume", das an zwei frauen- und männertypischen Orten spielt: Dem Badezimmer und der Garage. Im "Zettel-Spiel" bauen die vier Akteure kurze, prägnante Sätze ein, die die Besucher in der Pause auf Zettelchen geschrieben haben: "Hol mir ein Bier". "Was gibt es zu Essen?", "Wie war ich?". "Nein, Schatz, du bist nicht zu dick". Das klingt umso skurriler, als in diesem Spiel ein vornehmer Graf mit seinem Diener beim Dorffest unter der Linde auf zwei Damen trifft, die mit "zwei Pferdestärken" unterwegs sind. Zur reinsten Realsatire entwickelt sich die Szene, in der eine Klientin zum Anwalt kommt, weil sie sich scheiden lassen will. Mal wütet der Anwalt wie ein Choleriker, dann wieder ist er ein Schüchterner – die Schauspieler spielen die ganze Palette extremer Gefühle durch. Absoluter Gag der Improshow war aber die "Fahrschulprüfung", die in verschiedenen Versionen und Genres durchgespielt wurde: einmal von den beiden Frauen als schrille, exaltierte Oper mit halsbrecherisch rasanten Arien. Da preschten Sadia Mahroug und Charlotte Schelm mit opernreifem Gesangs-Spurt davon. Mimisch Vollgas gaben auch Klaus Millmeier und Mannich in ihrer intergalaktischen Science-Fiction-Fahrstunde und sausten in Lichtgeschwindigkeit einmal um die Milchstraße und zurück. Zuletzt trugen die Frauen in diesem "Geschlechter-Kampf" den Sieg davon. Aber der eigentliche Gewinner war das Publikum, das großen Spaß an diesem Improvisationstheater hatte. |