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Badische Zeitung 14.09.2011

Die Kunst doppelter Improvisation

Das "SpritzTourTheater" musste bei ihrem Auftritt im Museumskeller wegen des Ausfalls eines Schauspielers umdisponieren.

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Schaurig-schön: Eine „Überraschungs-Improshow“ im wahrsten Sinne des Wortes lieferten Sadia Mahroug, Rainer Mannich und Charlotte Schelm vom „SpritzTourTheater“ im Museumskeller. Foto: Roswitha Frey

SCHOPFHEIM. Top, die Wette gilt! Das "SpritzTourTheater", das zur zweiten Runde im Museumskeller Schopfheim antrat, wettete mit dem Publikum: Wenn die Schauspieler mindestens 19 von möglichen 27 Punkten erreichen, haben sie einen Wunsch frei. Sie schafften es tatsächlich, gewannen die Saalwette und durften sich vom Publikum etwas wünschen: eine Ein-Satz-Geschichte...

Dabei begann der zweite Abend des Improvisations-Theaters mit einem Handicap. Weil das "badische Urgestein", der Schopfheimer Klaus Millmeier, sich verletzt hatte und nicht mitspielen konnte, waren’s plötzlich nur noch drei. Rainer G. Mannich, der Mephisto-Mime mit dem langen weißen Zopf und dem stechend-eindringlichen Blick, Sadia Mahroug, die kleine, temperamentvolle Französin mit dem charmanten Akzent, und Charlotte Schelm, die wandelbare, witzige Aktrice aus der Schweiz mit der lebhaften Mimik, bestritten den Abend zu dritt. Deshalb fiel der angekündigte "TheaterSport" aus, denn dafür braucht es zwei Mannschaften. Die verbliebenen Drei vom Ensemble mussten also doppelt improvisieren und entschädigten die Zuschauer mit einer bunten "Impro-Show".

Dabei war schon erstaunlich, wie vielfältige Spielformate es im Improvisationstheater gibt. Als Bühnenbild dient ein schwarzer Vorhang, ein schwarzer Tisch, drei schwarze Stühle, und als Requisiten jede Menge Hüte. Ansonsten gilt: Das Publikum schlägt Titel, Themen, Personen und Handlungsorte vor und agiert als "Schiedsrichter", indem es die rote oder weiße Karte zückt. Weiß bedeutet, es hat den Leuten gefallen, Rot, dass das Spiel nicht so gut ankam. Im ersten Format "Marathon" war blitzschnelles Reagieren und spontanes Einklinken in eine Situation gefragt: Mit rasant schnellem Szenenwechsel in diesen kleinen szenischen Splittern punkteten die gewieften Improvisationsprofis ebenso wie mit der Nummer "Double-Speech": Ein Schauspieler spielt gleich zwei Rollen, während der andere nur den Mund bewegt – ähnlich wie beim Synchronisieren. Das lief sehr witzig in dieser Szene um einen Chef und seine neue Sekretärin, die nichts von Computern versteht, den Spieß umdreht und ihrem Chef Briefe diktiert.

Beim Ratespiel erriet Charlotte Schelm als Angeklagte nur anhand von Handbewegungen, welches "Verbrechen" sie begangen hat – einen Autodiebstahl. Bei "Neue Wahl" saß Rainer Mannich am Rand und griff wie ein Regisseur ins Spiel seiner beiden Kolleginnen ein, die sich als rivalisierende Schwestern hitzig und eifersüchtig um einen Mann stritten. Im "Fünf-Sätze-Spiel" spielten Mannich und seine Partnerin Charlotte Schelm eine kleine Geschichte um ein Paar mit nur fünf Sätzen Text. Aus dem Stegreif heraus ließen sie sich intuitiv und mit ganz wenigen Worten eine Beziehungs-Szene mit Heiratsantrag einfallen.

Bei den "Stimmen aus dem Jenseits" erfanden die Schauspieler nach einer Publikums-Vorgabe drei Figuren und erzählten in Rückblenden deren Geschichten und Todesfälle: das kleine Mädchen, das zum Süßwarenladen fährt, der penible Buchhalter, der ganz wild auf rote Bonbons ist, und die gestresste Hausfrau, Mutter und Putzfrau, die in dem Laden putzt. Das war eindringlich gemacht, wie sich die Stimmen aus dem Jenseits melden und ihre Geschichten sich immer fantastischer verweben. Natürlich gab es bei dieser Impro-Show auch Skurriles, Komisches und Absurdes wie die nordische Dichterin mit ihrem Smörrebröd oder das Paar, das beim Holzhacken eine emotionale Gefühlsachterbahn durchläuft.

Am meisten Lacher erntete die Schlussnummer "Eiertanz" in verschiedenen Variationen und Genres. Mal als Ballett mit den aberwitzigsten Verrenkungen, Drehungen, Pirouetten und mal als Horrorshow mit den wildesten Grimassen, grässlichen Monstergestalten und furchterregender Mimik: ein filmreif gespielter Mini-Gruselschocker. Da langten die Drei vom "SpritzTourTheater" genüsslich in die Frankenstein-Grusel-Kiste. Der "TheaterSport" soll nächstes Jahr nachgeholt werden.

Nächste Vorstellung des "SpritzTourTheaters" mit der "Schwarzwald-Improshow" am 21. Oktober, 20 Uhr im Museumskeller.

Südkurie Kultur Hochrhein  07.09.2011 

Vergnüglich und unberechenbar

Das SpritzTourTheater überrascht mit Improvisationen. Die vier Schauspieler bewegen sich im Fahrwasser von Slapstick, Stummfilm und Comedy

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Fahrstunde in der Improshow des SpritzTourTheaters. Bild: Scharf

Improvisationstheater – das ist unterhaltsam, vergnüglich, unberechenbar, voller Überraschungen. Die Spieler brauchen dazu Spontaneität, Reaktionsschnelligkeit, Schlagfertigkeit, Witz, Unverfrorenheit und Überredungskunst. Rainer G. Mannich, der Mephisto und Faust von Staufen, Klaus Millmeier, badisches Urgestein aus Schopfheim, bekannt durch seine Stadtführungen, die Französin Sadia Mahroug und Charlotte Schelm aus der Schweiz, verstehen es, frisch von der Leber weg zu improvisieren, was das Zeug hält.

Die vier Schauspieler vom SpritzTourTheater 3-Ländereck aus Münstertal wollen diese spezielle Theaterform im Museumskeller Schopfheim als Reihe etablieren und auch in Hasel und Bad Säckingen anbieten. Die Zuschauer haben bei der Premiere die beiden Mannschaften im Spiel „Frauen gegen Männer“ zum ewigen Thema Geschlechterkampf kräftig angestachelt. Spielerisch tritt das Frauenteam gegen das Männerteam an und wird mit Sprechchören wie „Frauenpower!“ und „Männer vor, noch ein Tor“ angefeuert. Das Publikum darf Schiedsrichter spielen. Improtheater kann fantastisch funktionieren oder schlicht in die Hose gehen. Diese Impronauten bewegen sich munter im Fahrwasser von Slapstick, Stummfilm und Comedy, spielen aus dem Augenblick heraus, ohne Absprache. Lustig sind auch die anderen Improvisationen wie die Strick-Nummer mit vertauschten Rollen, das Spielformat „Marathon“, eine rasant wechselnde Szenenabfolge, oder die „Gefühlsachterbahn“.

Da führen die Akteure vor, was beim Rasenmähen alles passieren kann. Raffiniert ist auch das Spiel mit zwei Räumen, eine Raum-Simulation zwischen Badezimmer (Frauen) und Garage (Männer), die sich zum Ehedrama mit Eifersuchtsszenen auswächst.

Nur eines gibt es nicht bei diesem Improspiel: Texthänger. Denn die Mimen können ihren Text nicht vergessen – sie haben gar keinen gelernt.

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Markgräfler Tagblatt 25.08.2011

Situationskomik zum Mitmachen

SpritzTourTheater mit begeisternder Impro-Show zum Geschlechterkampf im Museumskeller Schopfheim. Männer vor, noch ein Tor! Mit diesem Sprechgesang wird die Männer-Mannschaft angefeuert - ganz wie beim Fußball. Das Publikum spielt Schiedsrichter, zückt die Karten, in dem Fall die unschuldige weiße für die Frauen, die sündige rote für die Männer. Wir sind mittendrin im Spiel des Improvisationstheaters.

Klaus/Sadia

Impro-Show mit Klaus Millmeier und Sadia Mahroug im Museumskeller. Foto: Jürgen Scharf

Bei dieser Impro Time wird frisch von der Leber weg improvisiert, was das Zeug hält, bis sich die Balken biegen.

Improtheater - das ist unterhaltsam, vergnüglich, unberechenbar, voller Überraschungen. Es geht um Kreativität, Reaktionsschnelligkeit, Schlagfertigkeit. Die Spieler brauchen dazu eine gehörige Portion Spontaneität, Witz, Unverfrorenheit und Überredungskunst. Die Vier vom SpritzTourTheater im Dreiländereck haben all das: Rainer G. Mannich, bekannt als Mephisto und Faust von Staufen, ein Impro-Profi, und Klaus Millmeier, badisches Urgestein aus Schopfheim, bekannt durch seine Stadtführungen. Verstärkung erhalten die beiden durch zwei Schauspielerkolleginnen, die Französin Sadia Mahroug und Charlotte Schelm aus der Schweiz.

Die Mimen wollen diese spezielle Theaterform im Museumskeller als Reihe etablieren und regelmäßig ein Mal pro Monat anbieten. Die Premiere war vielversprechend, und die Zuschauer haben die beiden Mannschaften beim Spiel Frauen gegen Männer zum ewigen Thema Geschlechterkampf schon mal kräftig angestachelt. Spielerisch tritt das Frauenteam gegen das Männerteam an. Die musikalische Begleitung und das Auszählen übernimmt, nicht immer ganz unparteiisch, Christoph Müller.

Es darf gelacht werden. Etwa über die sketchartige Szene Die Gießkanne hat ein Loch. Wie lösen Männer das Problem? Das erinnerte dann doch stark an den alten Schlager Ein Loch ist im Eimer, Karl-Otto. Als Gärtner, der das Loch stopfen soll, betätigt sich nicht Henry wie im Lied, sondern Klaus Millmeier. Stop!, kann man da nur rufen.

Lustig waren auch die anderen Improvisationen wie die Strick-Nummer mit vertauschten Rollen, das Spielformat Marathon, eine rasant wechselnde Szenenabfolge, oder die Gefühlsachterbahn. Da führten die Akteure vor, was beim Rasenmähen alles passieren kann. Raffiniert war auch das Spiel mit zwei Räumen, eine Raum-Simulation zwischen Badezimmer (Frauen) und Garage (Männer), die sich zum Ehedrama mit Eifersuchtsszenen auswächst.

Nur eines gibt es da nicht bei diesem Improspiel: Texthänger. Denn sie können ihren Text nicht vergessen, sie haben ihn gar nicht gelernt. Die Impronauten aus Münstertal bewegen sich munter im Fahrwasser von Slapstick, Stummfilm und Comedy, spielen aus dem Augenblick heraus, ohne Absprache. Wirklich aktives Mitmachtheater. Stop! Begeisterung.

JÜRGEN SCHARF

Badische Zeitung 23.08.2011

Hier fungieren die Zuschauer als Regisseur

"SpritzTourTheater" spielt nach Vorgabe Szenen aus dem Stegreif / Amüsanter Geschlechterkampf bei Premiere des Improvisationstheaters im Museumskeller.

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Sie gewannen die Gunst des Publikums die zwei Damen und Herren des Spritz-Tour-Theaters bei ihrer Improvisationspremiere mit dem Kampf der Geschlechter im Schopfheimer Museumskeller. Foto: Roswitha Frey

SCHOPFHEIM. Rote und weiße Karten liegen auf den Zuschauerplätzen. Damit stimmt das Publikum ab, wer das Spiel gewonnen hat. Fast wie im Fußball. Zwei "Teams" treten gegeneinander an, nur dass es keine Sportler sind, sondern Schauspieler, die im Schopfheimer Museumskeller einen amüsanten "Geschlechterkampf" ausfechten. Mit diesem vergnüglichen Wettstreit Frauen gegen Männer stellte sich erstmals das "SpritzTourTheater" vor, das künftig ein Mal im Monat Improvisationstheater im Museumskeller machen will.

Zwei Frauen, zwei Männer: So sieht die Konstellation in diesem Theaterensemble aus dem Dreiländereck aus. Sadia Mahroug aus Frankreich, Charlotte Schelm aus der Schweiz, der gebürtige Schopfheimer Klaus Millmeier, bestens bekannt durch seine schauspielerischen Stadtführungen, und Rainer Mannich, hochgewachsener norddeutscher Mime und Wahl-Südbadener, "kämpfen" spielerisch um die Gunst des Publikums. Ganz unparteiisch und mit Sinn für stimmungsvolle Klangeffekte begleitet der Musiker Christoph Müller die witzige Impro-Show. Zum Aufwärmen werden erstmal Fanblöcke gebildet: Die Damen feuern mit "Frauenpower, Frauenpower" die beiden Schauspielerinnen an, die Herren kontern mit dem lautstarken Sprechchor: "Männer vor, noch ein Tor!"

Und los geht das Spiel, ohne vorgefertigten Text, ohne "Drehbuch", dafür mit Überraschungen, unvorhersehbaren Szenen und unerwarteten Wendungen. Die Zuschauer fungieren als Regisseur, geben Stichworte, Titel, "Gefühle" oder Genres vor, nach denen die Akteure dann Szenen aus dem Stegreif, Geschichten und Mini-Sketche improvisieren. "Das Tolle daran ist, wir können unseren Text nicht vergessen, wir haben gar keinen", schmunzelte Rainer Mannich, "wir wissen selbst nicht, was auf der Bühne passiert".

Was dann zweieinhalb Stunden lang passierte, war humorvolles Improvisations-Theater mit vielfältigen Theaterformen, in denen die Schauspieler mit toller Reaktionsschnelligkeit, Verwandlungsfähigkeit, Spontaneität, Spielwitz, kreativer Erfindungsgabe und irrwitzig komischer Mimik und Gestik brillieren – und einem Minimum an Requisiten. Die Zuschauer amüsieren sich prächtig und lachen manchmal Tränen bei diesen "Wertungs-Spielen", bei denen am Ende die Karten gezückt werden. Bei der Spielform "Marathon" setzen sich die Darsteller in schneller Szenenfolge immer neu in Positur, geben mal ein altes Paar, mal einen Patienten beim Doktor, mal eine Frau in den Wehen. Sehr lustig und komödiantisch gerät die Gärtner-Szene um die löchrige Gießkanne. Da werden Frauen- und Männerklischees kräftig parodiert. Auch aus dem simplen "Plot" vom Rasenmähen macht das Darstellerpaar Schelm und Mannich ein richtiges Liebes-Melodram, eine wahre Gefühls-Achterbahn. Auch wie Mahroug und Millmeier eine "synchronisierte" Verführungsszene hinlegen, ist sehr witzig.

Gar als mörderisches Eifersuchts-Ehedrama endet das Improvisationsspiel "Zwei Räume", das an zwei frauen- und männertypischen Orten spielt: Dem Badezimmer und der Garage. Im "Zettel-Spiel" bauen die vier Akteure kurze, prägnante Sätze ein, die die Besucher in der Pause auf Zettelchen geschrieben haben: "Hol mir ein Bier". "Was gibt es zu Essen?", "Wie war ich?". "Nein, Schatz, du bist nicht zu dick". Das klingt umso skurriler, als in diesem Spiel ein vornehmer Graf mit seinem Diener beim Dorffest unter der Linde auf zwei Damen trifft, die mit "zwei Pferdestärken" unterwegs sind.

Zur reinsten Realsatire entwickelt sich die Szene, in der eine Klientin zum Anwalt kommt, weil sie sich scheiden lassen will. Mal wütet der Anwalt wie ein Choleriker, dann wieder ist er ein Schüchterner – die Schauspieler spielen die ganze Palette extremer Gefühle durch. Absoluter Gag der Improshow war aber die "Fahrschulprüfung", die in verschiedenen Versionen und Genres durchgespielt wurde: einmal von den beiden Frauen als schrille, exaltierte Oper mit halsbrecherisch rasanten Arien. Da preschten Sadia Mahroug und Charlotte Schelm mit opernreifem Gesangs-Spurt davon.

Mimisch Vollgas gaben auch Klaus Millmeier und Mannich in ihrer intergalaktischen Science-Fiction-Fahrstunde und sausten in Lichtgeschwindigkeit einmal um die Milchstraße und zurück.

Zuletzt trugen die Frauen in diesem "Geschlechter-Kampf" den Sieg davon. Aber der eigentliche Gewinner war das Publikum, das großen Spaß an diesem Improvisationstheater hatte.


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